Unternehmensnachfolge durch Frauen: Corona-Pandemie und Nachfolgelücke

Die Corona-Pandemie wirkt sich offenbar auf Unternehmensnachfolgen aus. Viele Expertinnen und Experten fürchten, dass es für Unternehmen derzeit noch schwieriger wird, geeignete Nachfolgerinnen zu finden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) meldet in seinem aktuellem Nachfolgereport, dass viele Betriebe derzeit ihre Übergabe-Entscheidungen verschieben und die Existenzsicherung in den Fokus rücken.

Das größere Hemmnis von Unternehmensnachfolge bleibt aber – und wird durch die Corona-Pandemie noch verstärkt: Es mangelt an Nachwuchs. Die Lücke beim unternehmerischen Generationswechsel treibt weiter auseinander.

Hinzu kommt, dass sich die Lage für unternehmerisch selbständige Frauen im Zuge der Covid-19-Krise oft verschlechtert hat. Frauen haben häufiger Einkommensverluste hinnehmen müssen und mehr in den von der Pandemie stark betroffenen Branchen tätig. Darüber hinaus sind sie durch Homeschooling, Kinderbetreuung und Homeoffice überproportional hoch zusätzlichen Belastungen ausgesetzt gewesen. Zwar zeichnete sich in den vergangenen Jahren der Trend ab, dass Frauen häufiger bereit waren, sich selbständig zu machen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) sieht aber die Gefahr, dass sich dieser positive Trend in sein Gegenteil verkehrt.

Das Sinken des Frauenanteils unter den Nachfolgerinnen scheinen auch die Zahlen der KfW-Förderbank zu bestätigen. Sie geht davon aus, dass bei etwa 260.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge ansteht. Die Zahl der tatsächlichen Übernahmegründungen liegt dagegen nur bei rund 70.000 pro Jahr. Der Anteil von Frauen bei den Übernehmenden liegt bundesweit bei weniger als einem Viertel – mit sinkender Tendenz. In Nordrhein-Westfalen lag dieser Anteil in den vergangenen Jahren meist sogar deutlich darunter.

Chefinnen gesucht! Das Potenzial von Frauen als Unternehmensnachfolgerinnen ist längst nicht ausgeschöpft

Ulrike Weber, Prospektiv Gmbh ind DortmundEine Entwicklung, die so nicht sein muss. Denn die Übernahme eines bestehenden Unternehmens eröffnet Frauen spannende Karriere-Chancen. Ulrike Weber leitet gemeinsam mit Jutta Beyrow das Projekt „Die Nächste bitte“. Beide sind überzeugt, dass die Nachfolge eine große Chance darstellt: „Wir erleben immer wieder, dass Frauen mit einer Geschäftsübernahme sehr gut in die Selbständigkeit starten. Anfangs schreckt zwar oft der Kaufpreis, aber wenn das Unternehmen an sich intakt ist, hat man von Beginn an Einkünfte und hat nicht die lange Anfangsphase bis das Geschäft sich langsam etabliert“, berichtet Ulrike Weber von ihren Erfahrungen. Das gilt auch für kleine Betriebe wie den Friseursalon, ein Einzelhandelsgeschäft oder die Werbeagentur.

Online-Event zum Aktionstag ‚Nachfolge ist weiblich!‘ am 22. Juni 2021

Auch die bundesweite gründerinnenagentur (bga) möchte auf die Chancen durch eine Nachfolge aufmerksam. Daher ruft sie jährlich zum bundesweiten Aktionstag ‚Nachfolge ist weiblich!‘ auf. Das Projekt „Die Nächste bitte! – Unternehmensnachfolge als berufliche Chance für Frauen“ beteiligt sich mit einer Online-Veranstaltung unter dem Titel „Takeover als Chance“ am Aktionstag. Hier berichten zwei Nachfolgerinnen von ihren Erfahrungen bei der Übernahme. Dazu erhalten gründungsinteressierte Frauen Informationen zur Unternehmensbörse „nexxt change“ durch die IHK Nord Westfalen.

Die Veranstaltung findet am 22. Juni 2021 von 19.00 bis 20.30 Uhr statt und ist für Besucherinnen kostenfrei.

Anmeldungen für den 22.06.21 unter kontakt@unternehmensnachfolge-frauen.de

Das Projekt „Die Nächste bitte! – Unternehmensnachfolge als berufliche Chance für Frauen“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und im Rahmen der Initiative „Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“ durchgeführt. Umgesetzt wird das Projekt durch die Prospektiv GmbH aus Dortmund und die B3 – Beyrow Business Beratung aus Gelsenkirchen.