Kleid gesucht, Unternehmen gefunden

Mit bundesweiter Expertise zurück in die Heimat

Jahrzehntelang war Andrea Kaleske eine treue Stammkundin der kleinen Damenboutique „Passepartout“ in Bottrop. Immer wieder wurde sie hier auf der Suche nach schicken Accessoires fündig. Und immer mit dabei – ein Plausch mit Inhaberin Jutta Hollek. Die rüstige 73-Jährige, stets stilvoll gekleidet, öffnete ihre Boutique nur noch halbtags und das auch nur an drei Tagen in der Woche. Seit zehn Jahren denkt sie an ihren Ruhestand und wollte ihr Geschäft schon längst schließen. Aber irgendwann kam dann doch noch eine neue Kollektion. Und dann noch eine, so dass sie immer noch ihre Kundinnen in Mode- und Stilfragen berät.

Andrea Kaleske dagegen arbeitet seit mehr als 30 Jahre in Führungspositionen bei einer Einzelhandelskette und war beruflich immer bundesweit engagiert. Seit einiger Zeit aber suchte sie nach einer beruflichen Perspektive, die sie wieder in ihre Heimat nach Bottrop führen sollte.

Als sie dann vor einem Jahr ins „Passepartout“ kam, suchte sie eigentlich nur ein neues Sommeroutfit und ahnte nicht, dass der Einkaufsbummel ihr Berufsleben auf den Kopf stellen würde.

Nachfolgerin Andrea Kaleske

Nachfolgerin Andrea Kaleske

Boutiquechefin Jutta Hollek erzählte ihr, dass sie das Geschäft zum Ende des Jahres endgültig aufgeben wolle. Diese Gelegenheit ließ Andrea Kaleske aufhorchen und so fragte sie kurzerhand, ob Jutta Hollek sich vorstellen kann, die Boutique an sie zu übergeben. Die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt, denn der langjährigen Inhaberin fiel ein Stein vom Herzen. Ihr Urenkel war gerade geboren. Höchste Zeit, um mit 73 Jahren das Berufsleben abzuschließen.

Best Practice Nachfolgerin

Unternehmen             Kaleskes Damenmode &  mehr
Ort                              Bottrop-Boy
Nachfolgerin               Andrea Kaleske
Branche                      Einzelhandel
Übernahme                 2021
Beschäftigte                1

Behutsamer Umbau: Bewährtes mit neuem Glanz

Dieses alles entscheidende Gespräch fand im Frühjahr 2020 statt. Ein Jahr später erstrahlt der 50 Quadratmeter große Laden in neuem Style. Andrea Kaleske hat ihn renoviert, neu gestrichen und eingerichtet. „Aber ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel verändere, dass sich meine älteren Kundinnen nicht mehr wohl fühlen und einen Schock erleiden. Eine Gratwanderung“, sagt Andrea Kaleske schmunzelnd.

Neben dem Namen und Logo musste sie auch die Infrastruktur modernisieren und ein rechtssicheres Kassensystem einführen. Früher wurde im „Passepartout“ nur bar bezahlt, denn praktischerweise liegt die Sparkasse gleich nebenan. Künftig geht das auch per Karte oder App. Außerdem sollen ein Online-Shop und Social Media-Aktivitäten das Angebot für die Kundinnen ergänzen.

Es ist keine leichte Aufgabe, die sich Andrea Kaleske vorgenommen hat. Ein Fachgeschäft für Damenmode in einem Nebenzentrum? Gegen die Online Konkurrenz und große Shopping-Tempel wie das Oberhausener Centro in der Nachbarschaft?

Über Zweifel und Unterstützung

„Ich hoffe, dass ich von den Kunden vor Ort akzeptiert werde und dass mir sowohl die ehemaligen Stammkundinnen die Treue halten und ich außerdem neue Kundinnen hinzugewinnen kann.“ Ihrer neuen Rolle als Inhaberin sieht sie gelassen entgegen. Als langjährige Geschäftsleiterin im Einzelhandel kennt sie alle Facetten des Business. Dazu kommt, dass ihre Vorgängerin sie auch weiterhin unterstützt. „Und ich habe schon im letzten Jahr immer mal einen Tag hier geholfen und gesehen, was hier los ist. Ich komme mit diesen Menschen hier gut klar. Das sind Ur-Bottroper, eine spezielle Klientel, aber ich komme halt auch hierher“, sagt sie und lacht.

Neben ihrer Erfahrung hat sie auch das STARTERCENTER Bottrop beim Businessplan und der Stand-ortanalyse unterstützt. Vor allem war es aber der Zuspruch von Freundinnen, Familie und von ande-ren Unternehmerinnen: „Da ist die Motivation übergesprungen. Und wenn ich Zweifel hatte, haben sie mir die Zweifel genommen. Denn natürlich gibt es auch Frusttage, an denen man einfach nur je-manden zum Reden braucht.“

Ich freue mich so, das kann man sich gar nicht vorstellen!

So ist nicht nur das neue Geschäft Stück für Stück gewachsen. Auch Andrea Kaleske hat sich jeden Tag ein wenig weiterentwickelt: „Mittlerweile kann ich mir das ohne diesen Laden schon gar nicht mehr vorstellen. Das ist total verrückt. Mir wurde so oft abgeraten. Aber man darf sich nicht entmutigen lassen und muss seinen Weg weitergehen.“ Im Moment stehen Andrea Kaleske nur noch Corona und die Pandemie-Beschränkungen im Weg. Doch die werden, so hofft die Neuunternehmerin, bald überwunden sein, damit ihre kleine Boutique in Bottrop so richtig durchstarten kann.

Bericht “Best Practice Nachfolgerin: Andrea Kaleske” als PDF